Dance the Jazz
Seit 2005 gibt’s den Jazz Club Stellwerk in Hamburg-Harburg – ganze 3,5 Kilometer von meiner Wohn-Hütte entfernt. Dann & wann hörte ich was von den Stellwerkern – hatte mich aber nie sonderlich interessiert.
Liegt am Kino, das bei mir im Kopfe ablief, wenn ich ebbes über Jazz hörte oder sah: ältere Herren, leicht angesäuselt mit Stinke-Zigarillo. In den frühen 50ern waren sie jung und heute – besonders bei dem nicht tot zu spielenden Stück “Ice Cream” – fangen sie plötzlich an zu hibbeln, als ob ihnen ein tibetanischer Einhuf-Uhu das innere Hosenbein hoch krabbelt.
Nicht tot zu spielen – Ice Cream
Fünf Jahre später marschierte ich nun doch zu den Stellwerkern – motiviert durch einen Swing-Schnupperkurs, als Ouvertüre angeboten. Anschließen konnte das Gelernte in einer Session von “tanzbarem Jazz” praktiziert werden. Die “Harlem Jumper” lieferten die Musi dazu.

Das Stellwerk – 30 Minuten bevor es los ging
Was soll ich sagen – trotz meiner 61 Lenze, die einen täglich immer ruhiger werden lassen – ich war beeindruckt! Beeindruckt von der Tanz-Heiterkeit, den die Swingtänzer an den Tag legten.
Es wurde improvisiert, gealbert und gejamed. Da sprang plötzlich einer auf die Fläche, machte einen Solo, Sekunden später sprang der nächste auf die Fläche und jamte mit: der eine gab den Move vor, der andere “antwortete” darauf.

Dirk Podbielski beim Swing-Unterricht
Wer – wie ich – 42 Jahre die Disziplin des Tanzsportes gewöhnt ist – für den sind solche Session eine richtige Freiheits-Offenbarung. Da liegt doch der Gedanke auf der Pfote, nach dem “Warum” zu fragen.
Wie oben erwähnt, die Musik kam von der Band “Harlem Jump” und deren Name ist Omen.
Harlem Jump’s Geburtsstunde – so Mr. Google – war in den 40ern des 20. Jahrhunderts in – richtig – Harlem. “Jump” steht für die rhytmische Schwerpunktverlagerung, die das Swingfeeling” erzeugt. Benny Goodman und seine Jungs sind die bekanntesten Vertreter dieser Stilrichtig. Hier ein recht bekanntes Stück:
Der Harlem Jump – kurz Jump genannt – hatte und hat ein recht einnehmendes Wesen und scheut vor nichts zurück. Er vermatscht Blues, Boogie-Woogie, aber auch karibische Rhythmen.
So wie ich es sehe, ist der Jump – der Swing – ähnlich dem Salsa – eine aus unendlich vielen Zutaten zusammengerührte Soße. Was eigentlich nicht verwunderlich ist – beide haben die gleichen Wurzeln und die wuchsen in Afrika.
Je nach dem wie gut der Musik- bzw. Tanz-Koch ist, gibt’s eine oberleckere Musik- und Tanzsoße, ansonsten eine Pampe mit Tendenz zum Tapetenkleister. Das bietet natürlich reichlich Raum für unendliche Diskussion der Experten, welcher von ihnen im Besitz der Wahrheit ist.
Dabei ist es ganz einfach: dessen Gast kommt, bezahlt, hört, tanzt und wiederkommt, genau der ist im Besitz der göttlichen Wahrheit.
Tanzmichel – einzig und nicht immer artig









