Hinweis: Diese Serie wird so geschrieben, dass Abläufe und Vorgänge für den Laien einigermaßen und schnell verständlich sind.
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Hamburg. Verbandspolitik. Tanzsport. Ein dummer Zufall war Pate dieses Artikels. Der Zufall begann mit einem Besuch der Homepage des ADTV (Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerverband). Auf der Homepage gab es Neues, nämlich: Quickstep/Foxtrot ist der Tanz des Jahres 2012.
Auch eine Begründung gab’s. In etwa lautete sie so: Wer zwei linke Füße hat, der sollte es mit Quickstep/Foxtrott versuchen. Dieser Tanz ist so schlicht – wer’s dann immer noch nicht hat – dessen Tänzer-Karriere ist reif für die letzte Ölung. Wir dürfen uns 2012 auf ein vermehrtes Angebot von Quickstep/Foxtrott-Kursen der ADTV-Tanzschulen freuen. Des ADTVs Neuigkeit hätte zu einer umfangreichen Einzeilen-Meldung auf dem Tanz-Michel geführt – wäre der Chronist nicht noch über die Hintergrund-Infos auf der Homepage des ADTV gestolpert. Da stand wörtlich: |
Alex Gerlein + Alexandra Elert Platz 6 für Alex Gerlein + Alexandra Elert auf dem Ranglisten- Turnier am 21. Januar 2012 in Glinde. Am Start waren die Paare der Hauptgruppe S in den Standardtänzen. S ist die höchste Klasse. Des Weiteren: In der Hauptgruppe tanzen – von der Leistung her – die Besten – die Crème de la Crème |
Alljährlich wird der “Internationale Tanz des Jahres” vom WDC (World Dance Council) gewählt. Das World Social Dance Committee propagiert Amteurtanzsport und Tanzen als Freizeitvergnügen. Es organisiert das weltweite Miteinander der nationalen Tanzschul- und Tanzlehrerverbände, gibt Richtlinien für Tanzlehrerausbildungen und Amateurturniere vor und wählt jährlich den „Internationalen Tanz des Jahres“. Die deutschsprachigen Mitglieder dieser Sektion sind der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband, der Verband der Tanzlehrer Österreichs und der Schweizer Verband Swiss Dance.
Vermutlich steht dieser Text seit ewig und drei Tagen auf der Homepage des ADTV, dem Chronisten ist’s nicht aufgefallen. Jetzt weckte das Akronym WDC seine Phantasie und die Lust am spekulieren.
Zuvor die notwendige Basisinfo: Der WDC ist die Organisation der Profi-Tänzer. Die Amateur-Tänzer sind in der WDSF (World DanceSport Federation) organisiert. WDC und WDSF gingen recht freundschaftlich miteinander um, aber so um das Jahr 2005 herum muss irgend etwas geschehen sein – die Freundschaft kühlte ab. Heute wildern beide in den Gärten des anderen: Der WDC hat eine Amateur-Liga gegründet, das WDSF eine Profi-Division. Zu diesem Thema gibt es auf dem Tanz-Michel reichlich Artikel – mit WDC und/oder WDSF unter “Search” searchen.
Wenn in den vergangenen Jahren ein Tanzschulpaar seine Leidenschaft für den Hochleistungs-Tanzsport entdeckte, dann musste es in einen DTV-Verein eintreten – damit war es aber für die Tanzschule verloren. Ein engagiertes Paar bringt dem Tanzschulinhaber nach einer Pi-mal-Daumen-Schätzung 2.000 Euro im Jahr. Klar, dass vom Inhaber alles getan wurde, um das Paar in der Tanzschule zu halten.
Eine Alternative gab es auch: Tanzschulturniere, z. B. die vom DAT (Deutsches Amateur Turnieramt). Diese Turniere waren nett, aber wer richtig Leistungstanzen machen wollte – für den gab es nur eine Alternative: den DTV (Deutscher Tanzsportverband), Mitglied des WDSF.
Aber, aber, aber: Mit der Gründung einer Amateur-Liga durch den WDC bekommt der engagierte Leistungstänzer eine weitere Möglichkeit. Zwar sind zur Zeit die Paare des DTV/WDSF in Sachen Leistung den WDC-AL Paaren weit voraus – aber das ist vermutlich nur eine Frage der Zeit. Ein Paar, dass auf einem WDC-AL Turnier starten will, muss – so wird es wohl kommen – nicht Mitglied eines Vereins sein, wie das der DTV fordert. Es kann in seiner Tanzschule bleiben. Mit so einer Lösung ist der Tanzschul-Inhaber vermutlich richtig glücklich. Zumal Paare, die Blut geleckt haben, auch mehr Geld bringen. Mehr Trainerstunden, Kleider, Schuhe – überall kann der Tanzschulinhaber mitverdienen – ein Hoch auf die WDC-AL.
Für den DTV ist der Zustrom von Paaren aus den Tanzschulen in der Vergangenheit mehr ein Bächlein als ein kraftvoller Strom gewesen – in Zukunft reicht die Wanderung der Paare von der Tanzschule zum DTV noch nicht einmal für ein Rinnsal – der DTV ist von einer wichtigen und großen Nachwuchsquelle abgeschnitten.
Doch die größte Gefahr liegt in dem Verband selbst – so die Überlegungen des Chronisten. Dazu mehr in einem kommenden Artikel.







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